Digitalfernsehen: Das ändert sich 2017 beim Fernsehempfang

Alter Röhrenmonitor steht vor kaputter Wand
Bildquelle: © jakkapan / Fotolia

Vor genau 91 Jahren trat die wahrscheinlich wichtigste Entertainment-Erfindung unserer Zeit ihren Siegeszug an. Die Rede ist natürlich vom TV. Das Fernsehen erblickte dank des schottischen Erfinders John Logie Baird Anfang des 20. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes das Licht der Welt. Von der 24-Loch-Scheibe, die Baird für den mechanischen Fernseher nutzte, ist man heutzutage aber natürlich weit entfernt. Das TV-Gerät funktioniert mittlerweile digital.

Und in Deutschland bald sogar ausschließlich. Denn im Juni dieses Jahres schaltet Unitymedia das analoge Fernsehen in weiten Teilen des Landes ab. Doch was bedeutet dies für die Millionen TV-Haushalte in Deutschland? Dieser Artikel erklärt Euch, wie Ihr den Schritt zum Digitalfernsehen problemlos bewältigt.

Adieu, kostenloses Antennenfernsehen! – Terrestrisches Fernsehen wird hochauflösend und kostenpflichtig

Die TV-Revolution ist im vollen Gange: Bereits im März 2016 lief die Testphase für DVB-T2 HD in einigen deutschen Regionen an. Ab dem 29. März dieses Jahres geht es dann zügig weiter: Circa 80 Prozent aller deutschen Haushalte werden dann die Möglichkeit haben, Fernsehen in hochauflösender Qualität über Antenne zu empfangen.

Doch was erst einmal positiv klingt, mag sich für einige Fernseh-Zuschauer ganz und gar nicht positiv auswirken. Denn um das qualitativ hochwertige HD-Programm empfangen zu können, braucht es neue DVB-T-Empfänger, mit denen vor allem ältere TV-Geräte nicht ausgestattet sind. Lediglich modernere Flachbildfernseher besitzen meistens von Werk an das benötigte Empfangsgerät.

DVB-T2 Regionen in Deutschland
Bildquelle: dvb-t2hd.de
In vielen deutschen Ballungszentren kann bereits DVB-T2 HD empfangen werden.
Bisher verlief der Testlauf lediglich mit sechs Programmen: ARD, ZDF, RTL, Pro7, Sat.1 und Vox sind bereits in hochauflösender Bildqualität in manchen Teilen des Landes terrestrisch zu empfangen. Ab dem 29. März wird aus dem Testlauf dann aber der Normalfall.

40 Programme soll das Digitalfernsehen ab Frühjahr in High Definition bereitstellen, darunter 15 öffentlich-rechtliche Sender. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht auf DVB-T2 umgestellt hat und noch immer DVB-T nutzt, darf lediglich noch wenige öffentlich-rechtliche Sender schauen. Im Sommer ist aber endgültig Schluss: DVB-T wird dann komplett stillgelegt.

Wenn Ihr den Anschluss nicht verpassen möchtet, könnt Ihr nach der Eingabe Eurer Postleitzahl hier herausfinden, wann die Umstellung Eure Region erreicht.

DVB-T2-Umstellung: Fragen und Antworten

  • Ist DVB-T2 kostenlos zu empfangen?

    Nein, zwar können die HD-Programme noch bis Ende Juni 2017 kostenfrei empfangen werden, nach der Komplettumstellung müssen Zuschauer für private Sender jedoch 5,75 Euro im Monat bezahlen. Bislang wurden die Kosten über den Rundfunkbeitrag getragen. Dies ändert sich nun. In SD-Qualität werden kommerzielle Sender gar nicht mehr über DVB-T verfügbar sein.
  • Brauche ich für DVB-T2 einen neuen Fernseher?

    Kommt darauf an, wie modern Euer TV-Gerät ausgestattet ist. Neuwertige Flachbildfernseher sind in der Regel mit dem benötigten Empfangsgerät ausgerüstet. Zu erkennen sind diese an einem grünen Logo mit der Aufschrift „DVB-TS HD“, welches sicherstellt, dass das Gerät mit dem benötigten HEVC-Verfahren arbeitet bzw. den Standard H.265 nutzt. Da dies allerdings kein international anerkannter Standard ist, solltet Ihr beim Kauf eines neuen TV-Geräts explizit nach H.265 fragen. Denn viele Fernseher, die aus dem Ausland stammen, können die deutschstämmige Technik nicht umsetzen.

    Wer einen noch älteren Fernseher besitzt, hat die Option, sich eine Set-Top-Box zuzulegen. Mithilfe dieses Zusatzgeräts ist der Empfang von DVB-T2 HD auch mit älteren Fernsehern möglich. Set-Top-Boxen sind ab 50 Euro zu haben.
  • Benötige ich für DVB-T2 eine neue Antenne?

    Nein, sofern bereits eine Antenne vorhanden ist, kann diese weiterhin genutzt werden. Die Empfangsqualität bei DVB-T2 hängt allerdings auch bei dieser Technik von der Antennenausrichtung ab. Während in Ballungsgebieten Zimmerantennen für gewöhnlich ausreichend sind, solltet Ihr auf dem Lande Dach- bzw. Außenantennen installieren.

Kabel-Fernsehen wird digital: Auf Wiedersehen Analog-TV

Auch dem analogen Kabel-Fernsehen geht es in diesem Jahr an den Kragen. Auch wenn manche TV-Zuschauer, die ihr TV-Programm über Kabel empfangen, glaubten, von der Umstellung des terristrischen Fernsehens auf DVB-T2 HD nicht betroffen zu sein, geht die TV-Revolution auch an ihnen nicht ohne Änderungen vorbei. Dies gilt zumindest, wenn das Kabel-Fernsehen analog empfangen wird.

Die steigende Digital-TV-Nutzung sowie veränderte Sehgewohnheiten der Nutzer sorgen für Nachfrage nach weiteren digitalen Kapazitäten.

Lutz Schüler, Chef von Unitymedia

Wenn Unitymedia Ende Juni dem analogen Fernsehen den Stecker zieht, gilt dies auch für Kabelkunden. Zwar schauen in Deutschland schätzungsweise bereits 85 Prozent aller Haushalte primär digitales Kabel-Fernsehen, doch in vielen Wohngemeinschaften hängen zumindest die Zweit- oder Dritt-Fernseher noch am analogen Kabelanschluss.

Aufgrund von Unwissenheit ist vielen TV-Zuschauern auch gar nicht bewusst, dass sie noch analoges Kabel-Fernsehen schauen. Zwar ermöglichen die vielen Flachbild-TVs auch Digitalfernsehen, aufgrund falscher TV-Einstellungen erscheint aber noch immer ein unscharfes Analog-Bild auf dem Bildschirm.

Von der digitalen Kabel-Revolution sollen circa 1,4 Millionen analog-schauende deutsche Kabel-Haushalte betroffen sein. Als erstes wird analoges Kabel-Fernsehen in Nordrhein-Westfalen ausgeschaltet, Baden-Württemberg und Hessen sollen kurz darauf folgen.

Fragen zur Umstellung des Kabel-Fernsehens

  • Kann ich mit einem alten TV-Gerät auch digitales Kabel-Fernsehen empfangen?

    Für den Empfang von Digitalfernsehen über Kabel ist ein Empfangsteil vonnöten, welches bei alten TV-Geräten grundsätzlich nicht integriert ist, bei neueren Modellen hingegen schon. Eine DVB-C-Set-Top-Box bzw. ein DVB-C-Receiver ist ab circa 60 Euro erhältlich. Neuere TV-Geräte haben einen sogenannten DVB-C-Tuner oft eingebaut.
  • Was passiert, wenn ich mir keine DVB-C-Set-Top-Box für meinen alten TV zulege?

    Dass ältere TV-Geräte ein schlechteres Bild ohne Set-Top-Box anzeigen, ist ein Trugschluss. Alte Röhrengeräte werden ohne Receiver schlichtweg kein Bild mehr darstellen.
  • Können mehrere Fernseher mit einem Receiver betrieben werden?

    Nein, dies ist nicht möglich beim Digitalfernsehen. Für jedes TV-Gerät wird ein einzelner DVB-C-Receiver benötigt.
  • Ist Unitymedia der einzige Anbieter von digitalem Kabel-Fernsehen?

    Nein, Unitymedia bietet Kabel-Fernsehen derzeit ausschließlich in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen an. Alternative Kabelanbieter sind Primacom (vor allem in den Neuen Bundesländern vertreten), Tele Columbus und Vodafone Deutschland (früher Kabel Deutschland). Auch regionale Anbieter gibt es.
  • Gibt es noch Anbieter für analoges Kabel-Fernsehen?

    Ja, durchaus. Vodafon Deutschland wird das analoge Kabelfernsehen voraussichtlich erst 2018 ausschalten. Tele Columbus gab derzeit noch keinen Termin bekannt und möchte das analoge Kabel-Fernsehen noch so lange wie möglich anbieten.

In Zukunft wird es nur noch kostenpflichtiges Digitalfernsehen in HD geben

Fernsehen gehört nicht nur als Entertainment-Programm zum Alltag, sondern auch als Informationsmedium. Doch der kostenfreie Zugang zum TV könnte bereits in einigen Jahren für immer beeendet sein.

Zwar wird nach der Abschaltung des analogen Fernsehens auch weiterhin über Satellit unverschlüsselt auf Digitalfernsehen in SD-Qualität zugegriffen werden können, allerdings fragt sich, wie lange dies der Fall sein wird.

Die Sendeanstalten ProsiebenSat.1 sowie RTL einigten sich auf Drängen des Kartellamtes zwar darauf, SD-Fernsehen bis 2022 unverschlüsselt bereitzustellen, danach dürfte aber bald das Aus für das Free-TV kommen.

Bezeichnung Auflösung
SD - Standard Definition 720 x 576 Pixel
HD ready 1366 x 768 Pixel
Full HD 1920 x 1080 Pixel
Ultra HD (4K) 3840 x 2160
Denn HD-Ausstrahlung ist für die TV-Anstalten besonders lukrativ. Wer sein TV-Programm über Satellit empfängt, muss bei den privaten Sendern ein „HD+-Paket“ ordern und wird dafür kräftig zur Kasse gebeten: 60 Euro müssen TV-Zuschauer jährlich für High-Definition über Satellit hinblättern.

Sobald auch das Antennenfernsehen im Juni auf DVB-T2 HD umschaltet, wird der nächste Schritt in Richtung Kommerzialisierung unternommen. Auch über Antenne wird es dann keine „schlechte“ SD-Fernsehqualität mehr geben. Für Antennenempfänger nennt sich das kostenpflichtige HD-Paket dann „FreentTV“.

Statistik Verteilung Analogfernsehen und Digitalfernsehen in Deutschland
Bildquelle: digital-age.net
Fernsehen wird in deutschen Haushalten hauptsächlich noch digital geschaut.
Ab 2022 werden die privaten Sender SD-Fernsehen dann wahrscheinlich auch aus dem Satellitenfernsehen verbannen. Die Zahl der aktuell kolportierten 6,5 Millionen HD+-Empfänger dürfte dann nochmal deutlich ansteigen und ordentlich Geld in die Kassen der Fernsehanstalten spülen. Ende 2018 soll dann auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen SD-Programm für Satellitenempfänger streichen.

Welches Digitalfernsehen ist das richtige für mich? DVB-T, DVB-C oder DVB-S?

Im Dickicht der Übertragungstechniken für TV-Programme ist es ein Leichtes, den Überblick zu verlieren. Vor allem die sukzessive Umstellung auf Digitalfernsehen macht es für viele Menschen notwendig, sich ein neues TV-Gerät zuzulegen.

Hier stellt sich aber schnell die Frage, welche Empfangsart die beste Fernsehqualität liefert. Unentschlossenen bietet die folgende Übersicht einen Hinweis auf die Vorteile und Nachteile verschiedener TV-Empfangsarten.

TV-Empfangsart Vorteile Nachteile
DVB-S / Satellitenempfang
  • zahlreiche kostenlos empfangbare Sender
  • kostenfreie HD-Sender im öffentlich rechtlichen TV
  • Radioempfang denkbar
  • besonders für ländliche Regionen geeignet
  • optisch unauffällig bei Dachinstallation
  • mehrere Haushalte über Glasfaserkabel versorgbar
  • private HD-Sender nur kostepflichtig verfügbar
  • Installation und Wartung nicht einfach
  • TV-Qualität ist witterungsabhängig
  • erfordert Extra-Receiver für jedes TV-Gerät
DVB-T / Antennenempfang
  • kostenloser Empfang zahlreicher TV- und Radioprogramme
  • ältere Antennen können meist auch für DVB-T2 genutzt werden
  • Empfang von HD-Sendern über DVB-T2 nahezu ohne Qualitätsverlust möglich
  • Fernsehempfang stark von Ausrichtung und Qualität der Antenne abhängig
  • Dachantennen sind stark witterungsabhängig
DVB-C / Kabelempfang
  • fast überall störungsfrei empfangbar
  • unkomplizierte Nutzung auch in Mehrfamilienhäusern
  • Leitung auch für Internet und Telefonie nutzbar
  • nur verfügbar, wo Kabelanschlüsse verlegt sind
  • bei älteren TV-Geräten ist ein DVB-C-Receiver vonnöten
  • ein Receiver pro Gerät notwendig

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