Zukunft digital – was die Digitalisierung für das Berufsleben bedeutet

Mann drückt auf Arbeit 4.0 in Zukunft digital
Bildquelle: © Coloures-pic / Fotolia

Wie wird in der Zukunft digital gearbeitet? Welche neuen Jobs wird es geben und übernehmen zukünftig Roboter die Arbeit? Welche Branchen könnten besonders von der Digitalisierung profitieren und welchen Berufen droht das Aussterben?

Es gibt viele Fragen, die sich um Themenschwerpunkte wie „Big Data“ oder „Industrie 4.0“ ranken. Was aber ist mit Arbeit 4.0? Wie könnte das digitalisierte Berufsleben in gar nicht ferner Zukunft aussehen? Wir wagen einen Ausblick.

Nach der Industriellen Revolution die Revolution „Zukunft digital“

Längst vorbei sind die Zeiten, da Rinder und Pferde für die Wirtschaft kaum wegzudenken waren. Die Maschinen haben die Aufgaben purer Muskelkraft längst übernommen und wer Ende der neunziger Jahre noch schmunzelte, als im Film „Matrix“ die Maschinen die Weltherrschaft an sich rissen, mag langsam verstummen.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung bildete die Industrielle Revolution, die bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrunderts ihren Anfang findet, in Deutschland aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts in Fahrt kommt. Technische Innovationen wie die Erfindung der Dampfmaschine 1765 oder auch der mechanische Webstuhl (1786) und natürlich die Lokomotive (1814) trugen ihren fundamentalen Teil zum Tempo der Maschinisierung bei.

Ihnen allen gemeinsam war allerdings, dass die Geisteskraft zur Bedienung der Gerätschaft weiterhin vom Menschen kommen musste. Hierin liegt der wahre Kern „unserer“ Industriellen Revolution. Denn Maschinen können dank Künstlicher Intelligenz (KI) mittlerweile eigenständig lernen, andere Maschinen bedienen und den Menschen in vielen Lebens- und Wirtschaftsbereichen nahezu vollständig ersetzen.

Dass dies nicht nur ein Hirngespinst kritischer Zeitgeister ist, zeigt beispielsweise auch eine Umfrage des Pew-Instituts unter 1.900 hochdekorierten Wissenschaftlern: Nachdem bislang vor allem Fabrikarbeiter aufgrund des technischen Fortschritts um ihre berufliche Zukunft fürchten müssen, soll es nun den Büroarbeitern an den Kragen gehen.

61 Prozent aller deutschen Arbeitsplätze sind mit PC ausgestattet

Martin Ford, Gründer einer Softwareentwicklungsfirma im Silicon Valley und Autor des Sachbuches mit dem bezeichnenden Titel „Rise of the Robots“, konstatierte: „Fast jeder Job, in dem jemand vor einem Bildschirm sitzt und Informationen verarbeitet, ist bedroht.“

Angesichts der zahlreichen Jobs in Deutschland, die auf einen Computer zurückgreifen, bedeutet diese Einschätzung für viele Menschen pure Existenzangst. Das Mannheimer Forschunsinstitut ZEW gab überdies bekannt, dass in Deutschland aktuell circa fünf Millionen Arbeitsplätze gänzlich durch Maschinen ersetzt werden könnten.

Statistik Branchen mit PC
Quelle: eigene Darstellung
Bild: Fast jede Branche in Deutschland wäre betroffen, wenn Maschinen die Arbeit am PC komplett an sich reißen würden.

Auch wenn es an der „Zukunft digital“ gewiss kein Vorbeikommen gibt, so düster, wie die aktuellen Prognosen ausfallen, muss es am Ende gar nicht werden. Denn selbst wenn alle Arbeitsplätze in Deutschland, an denen ein PC zu finden ist – immerhin 61 Prozent aller deutschen Arbeitsplätze – verschwinden, bedeutet dies nicht, dass alle Menschen urplötzlich arbeitslos wären. Denn die digitale Zukunft bietet auch Chancen und lässt neue Arbeitsplätze entstehen.

Digitaljobs der Zukunft: Wer hier einen Job findet, kann viel verdienen

Eine rosige Zukunft kann zumindest all denjenigen beruflich vorausgesagt werden, die sich heute für den richtigen Studienplatz entscheiden. Bereits vor fünf Jahren konnten aufgrund der Digitalisierung 1,5 Millionen neue Jobs in Deutschland gezählt werden, errechnete der Digitalverband Bitkom.

Und jeder, der sich heutzutage im Internet nach einem neuen Job im Marketing umschaut, wird ohne Kenntnisse darüber, wie über soziale Netzwerke mit Kunden agiert, der Wertschöpfungsprozess optimiert, Daten analysiert oder Arbeitsprozesse vereinfacht werden können, kaum mehr Chancen auf eine Einstellung haben.

Dass der digitale Daumen so gefragt ist, hat auch mit dem Umstand zu tun, dass viele Unternehmen den wachsenden Anforderungen der Digitalisierung und Industrie 4.0 derzeit einfach nicht gewachsen sind. Dies zumindest ergab die Studie „The Digital Talent Gap“, die auf einer Befragung von Managern aus aller Welt basiert.

Bleibt die Frage, welche Berufe in Zukunft gefragt sein werden. Klar dürfte sein, dass IT-Spezialisten, Programmierer oder Datenanalysten diesbezüglich die besten Aussichten haben dürften. Dabei gibt es noch ganz andere, junge Berufe, die für Studierende womöglich ebenfalls äußerst interessant und finanziell attraktiv sein dürften:

Berufsbezeichnung Aufgaben Notwendige Fähigkeiten Mögliche Beschäftigung Geschätzte Verdienstaussichten
Big Data Scientist Datenanalyse in Unternehmen Bedienung spezifischer Analyse-Tools Auswertung von Datensätzen Optimierung des Datenstroms Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und strategischer Konzepte Informatik-Studium Finanzsektor Logistikbranche Handel und Industrie 80.000 Euro im Jahr
SEM-Manager Verantwortlich für Suchmaschinen-Marketing Konzeption und Erfolgskontrolle von Werbemaßnahmen im Internet Studium der Wirtschaftswissenschaft mit Schwerpunkt Marketing Affinität für Technik Unternehmen, die ihr Sortiment online anbieten zwischen 45.000 und 65.000 Euro im Jahr
Chef Digital Officer Umsetzung der Digitalisierung in einem Unternehmen Entwicklung neuer Geschäftsmodelle Einführung innovativer Technologien Studium der Wirtschaftswissenschaft in allen Bereichen der Wirtschaft 200.000 bis 700.000 Euro im Jahr
Operations Manager Organisation und Verwaltung von Produktlagern für Online-Shops BWL-Studium mit Schwerpunkt Logistik Unternehmen, die Sortiment online anbieten zwischen 50.000 und 70.000 Euro im Jahr
Category Manager / Online-Shop-Manager/ E-Commerce-Manager Organisation von Online-Shops Produkt-Recherche Konkurrenzanalyse BWL-Studium Erfahrung im E-Commerce Unternehmen, die Sortiment online anbieten zwischen 60.000 und 80.000 Euro im Jahr
Security Manager Verantwortlich für IT-Sicherheit Datenanalyse Studium der Wirtschaftsinformatik Unternehmen mit komplexer IT-Infrastruktur zwischen 60.000 und 120.000 Euro im Jahr
Data Strategist Konzeption von Leitlinien für Datenanalyse Verantwortlich für den Rechtsbereich der Datenanalyse Mathematik-/Physik-/Informatik-Studium alle Branchen mit sensiblen Datenbeständen wie Banken, Versicherungen oder Krankenkassen zwischen 100.000 und 300.000 Euro im Jahr
Mobile Developer Programmierung und Konzeption von Anwendungen für Smartphones Informatik-Studium Spieleentwickler Unternehmen mit Schwerpunkt Mobile Marketing zwischen 40.000 und 50.000 Euro im Jahr
Social Media Manager Management der Online-Community einer Marke bzw. eines Unternehmens Studium keine Voraussetzung Know-how im Bereich soziale Medien hohe Sozialkompetenz Unternehmen mit Internetpräsenz zwischen 30.000 und 70.000 Euro im Jahr
Feel Good Manager Personalmanagement Studium nicht zwingend erforderlich starke Sozialkompetenz fast alle Unternehmen der Digitalbranche beschäftigen Feel Good Manager ca. 45.000 Euro im Jahr

Von der Digitalisierung werden alle Bereiche des Lebens betroffen sein

Die fortschreitende Digitalisierung wird selbstverständlich nicht nur in Unternehmen voranschreiten, in denen sich Arbeitsprozesse wiederholen und deswegen denkbar einfach automatisiert werden können. Auch in deutlich anspruchsvolleren Positionen werden und finden Maschinen bereits Einzug.

Hermes und die DHL beispielsweise testeten Ende 2016 erstmalig einen Paketroboter. Noch ist die Technik zwar nicht ausgereift, doch die Entwickler basteln und testen eifrig weiter, sodass selbst futuristisch anmutende Ideen wie die Paketdrohne von Amazon gar nicht so utopisch erscheinen.

Fernab von Wirtschaft und Industrie weisen Experten aber auch darauf hin, dass sämtliche Lebensbereiche von der digitalen Zukunft tangiert werden. Eine andere Umfrage des Pew Research Centers fragte Experten aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft, Journalismus, IT und Politik nach ihrer Meinung zur digitalen Welt im Jahr 2025. Mit folgenden Ergebnissen:

  • Das „Internet of Things“ werde allgegenwärtig sein. Informationsaustausch werde fast nur noch online stattfinden.
  • Die größte Herausforderung liege in der Bewältigung von Big Data und riesiger Datenströme.
  • Der Zugang zu Informationen und neuem Wissen werde leichter werden. Open Access und Wissensaustausch seien die großen Stichwörter für Bildung in der „Zukunft digital“.
  • Zu den größten Gefahren der Digitalisierung würden 2025 Cybermobbig, Internetkriminalität und die Sicherheit der Privatsphäre zählen.

Industrie 4.0 betrifft auch Entwicklungsländer

Ist von der digitalen Zukunft die Rede, dann werden vornehmlich die großen Volkswirtschaften angeschaut. Aus Arbeitnehmersicht sind es insbesondere die sozialen, aber auch ideologischen Fragen, die elementar sind: Wie kann der Niedriglohnarbeiter geschützt werden, wenn er noch immer drei- bis viermal so teuer ist wie ein Roboter? Was bedeutet es für den Menschen, wenn nicht nur körperliche, sondern auch geistige Tätigkeit durch den Roboter bzw. die Maschine substituiert wird?

Dass ebendies in weniger stark entwickelten Nationen ein noch viel brisanteres Thema ist, dürfte klar sein. Der Sportartikelhersteller Adidas beispielsweise ließ viele seiner Produkte günstig in Asien fertigen – und schuf in Fernost wichtige Arbeitsplätze. Nun verlagert das deutsche Unternehmen seine Produktionsstätte zurück in die Heimat – schafft aber keine neuen Arbeitslätze. Denn Roboter übernehmen die Arbeit von nun an in der „Speedfactory“.

Die digitale Transformation dürfte für Entwicklungsländer teils extreme Herausforderungen bereithalten, wenn ganze Wirtschaftszweige wegbrechen und Tausende von Menschen in die Erwerbslosigkeit stürzen. Soziale Absicherung fehlt in Hülle und Fülle. Andererseits kann die Digitalisierung auch Chancen bieten, gerade im Bereich der Bildung.

Das in vielen Entwicklungsländern nur äußerst bescheidene Bildungsangebot ließe sich durch beispielsweise virtuelles Lernen über das Internet optimieren. Zugang zu Crowdworking-Plattformen oder interkontinentale Studienangebote könnten ebenfalls einfacher zugänglich gemacht werden.

Am Ende wird allerdings die entscheidende Frage sein, ob die Digitalisierung nicht nur Wirtschaft und Unternehmen, sondern auch ganze Staaten konsolidieren kann. In den großen Volkswirtschaften, in denen Know-how, Technologie und ausreichend Kapital vorhanden sind, dürfte die digitale Transformation gewiss einfacher vonstattengehen. In Entwicklungsländern bleibt die Frage offen, wer den Wandlungsprozess steuern, wer ihn bezahlen soll bzw. will.

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