Fahrrad digital: Sicher durch die Straßen mit dem Smart Bike

digitaler Fahrradlenker
Bildquelle: © hurricanehank / Fotolia

Es konnte gar nicht lange auf sich warten lassen: Nachdem das vernetzte Automobil bereits zum Alltag gehört, wird nun auch das Fahrrad digital, zumindest im Ansatz. Das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel der Deutschen soll nun ebenfalls vernetzt werden. Ob nun durch ein digitales Fahrrad-Navi zur besseren Orientierung oder ein digitales Fahrradschloss zur Diebstahlsicherung – auch die so traditionsreiche Radelwelt wird digitialisiert und lässt vielfältige Einsatzzwecke erahnen. Im Folgenden erfahrt Ihr, wie ein digitales Fahrrad oder „Smart Bike“ der Zukunft aussehen könnte.

„Fahrrad digital“ soll in spätestens drei Jahren Durchbruch gelingen

Connected Bike, Fahrrad digital, Smart Bike und viele andere Bezeichnungen geistern aktuell durch die Medienlandschaft. Gemeint sind damit natürlich die digitalisierten Zweiräder, die Fahrräder der Zukunft, wenn man so möchte, die das Radeln und Biken auf ein neues Niveau heben sollen.

Derzeit ist die Einkaufsgemeinschaft ZEG mit der Konzeptionierung des digitalisierten eBikes beschäftigt. Georg Honkomp, Chef des Unternehmens, das sich aktuell aus über 1.000 Fahrradhändlern zusammenschließt, gab im Dezember 2016 bekannt: „Wir arbeiten an der Entwicklung eines Connected Bike. Ich denke, dass wir das im nächsten Jahr einführen können, den Durchbruch erwarte ich in zwei bis drei Jahren.“

Die Chancen stehen also gar nicht allzu schlecht, dass einige bereits im Sommer 2017 mit dem Fahrrad digital unterwegs sein dürfen. Bleibt die Frage, was konkret vom Connected Bike zu erwarten sein wird. Bislang hüllen sich potentielle Anbieter noch in Schweigen, aber naheliegende Spekulationen sind selbstverständlich gestattet.

Das kann das Connected Bike der Zukunft

Der Name lässt es bereits erahnen: Ein smartes bzw. vernetztes Fahrrad soll insbesondere für den Fahrer hilfreich sein. Doch wie könnte dies konkret aussehen? Hinweise liefert zum Beispiel der niederländische Fahrradhersteller Vanmoof. Das Unternehmen entwickelte erst kürzlich ein digitales Fahrradschloss, das denkbar einfach funktioniert: Verbunden mit dem Smartphone kann der Besitzer das Sicherheitssystem über sein Telefon schließen und öffnen.

Auch beim Crowdfunding ist digitales Fahrradeuqipment nachgefragt. „I lock it“ nennt sich die jüngste Entdeckung, die ihr Finanzierungszel bereits nach wenigen Wochen erreicht hatte. Dies ist auch nicht allzu überraschend. Denn „I lock it“ ist ein digitales Fahrradschloss, das sich eigenständig ver- und entriegelt, sobald der Besitzer sich mit Smartphone und eingeschalteter Bluetooth-Funktion vom Fahrrad entfernt bzw. sich diesem wieder nähert.

Ebenfalls eine praktische Idee: Ein im Fahrradrahmen verbautes GPS-Gerät, das als zusätzliche Diebstahlsicherung fungiert. Sobald das Fahrrad gestohlen wurde, kann der Fahrradbesitzer sein Fahrrad digital orten. Dies funktioniert selbstverständlich auch über das Smartphone. Doch es gibt noch weitere Überlegungen für das Smart Bike, die in zukünftigen Fahrrädern eventuell Einzug halten.

  • Leistungsmessung: Wer eine Smart Watch kennt, der wird auch erahnen können, welch Potential das digitale Fahrrad für sportbegeisterte Fahrradfahrer womöglich bereithält. Verbunden über eine App auf dem Smartphone ließen sich auf diese Weise denkbar einfach Fahrprofile für Sportler erstellen, die nicht nur Strecken per GPS planen können, sondern natürlich auch Leistungsparamter wie Geschwindigkeit oder zurückgelegte Strecke speichern und auswerten.

    Dies dürfte insbesondere auch die Krankenkassen hellhörig werden lassen. Denn die persönlichen Leistungsdaten sind für Versicherer selbstverständlich interessant. Dies könnte auch interessierten Fahrradfahrern zugutekommen: Denn ähnlich wie einige Krankenkassen bereits den Kauf von Smart Watches oder Fitnesstrackern bezuschussen, dürfte es bald auch für den Erwerb des Connected Bike finanzielle Unterstützung geben.

  • Navigation: Vom GPS-Gerät im Fahrradrahmen war ja bereits die Rede. Etwas weiter gedacht lässt sich ein Zweirad auf diese Weise natürlich nicht nur nach einem Diebstahl wieder aufspüren, sondern es darf auch während des Fahrens über ein Navigationsgerät nach Routen geforscht werden. Ein Fahrrad-Navigationsgerät ist aber keine allzu große Neuerung und steht natürlich auch für herkömmliche Fahrräder bereit. Für diejenigen, die gerne vergessen, wo sie ihr Fahrrad angeschlossen haben, bietet GPS aber noch einen ganz anderen Vorteil: Mithilfe der GPS-Ortung könnte ein verschollen geglaubtes Zweirad nämlich sehr zügig wieder aufgefunden werden.
  • Service: Eine weitere funktionelle Option für das Smart Bike läge in den Service-Leistungen der Anbieter. So könnte das Fahrrad digital und womöglich gänzlich automatisiert Verschleißteile überwachen und gegebenenfalls eine Nachricht an das Fahrradunternehmen bzw. den Nutzer senden. Ein anderes Anwendungsgebiet wäre im Notfall denkbar: Nach einem Unfall könnte das Fahrrad einen automatischen Notruf aussenden. Sofern auch der Schweregrad des Unfalls über die diagnostizierten Schäden festgestellt werden kann, wäre dann auch eine Unterscheidung möglich, ob die Notrufstelle oder doch nur der Pannenservice alarmiert werden muss. Insbesondere für besorgte Eltern, die ihr Kind mit dem Fahrrad auf den Schulweg schicken, wäre dies gewiss eine attraktive Funktion.

Wo liegen die Herausforderungen, wo die Chancen für das Smart Bike?

ZEG-Chef Honkomp geht davon aus, dass in einigen Jahres „jedes zweite Rad im Erwachsenenbereich ein E-Bike“ sein wird. Wer die absoluten Zahlen anschaut, wird schnell erkennen, welch enormes Marktpotential in der Entwicklung des digitalen Fahrrads liegt: Denn in Deutschland besitzen über 70 Millionen Menschen – mindestens – ein Fahrrad, so die Einschätzung des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV).

Bislang hat sich das Fahrrad seit der Entwicklung des „Vélocipède“ 1817 in Frankreich nur wenig weiterentwickelt, gerade wenn es mit anderen Vehikeln wie dem Automobil oder gar dem Flugzeug verglichen wird. Zudem hatte der E-Bike-Markt bislang vornehmlich das ältere Semester als Zielgruppe. Mit den neuen Funktionen, die das Smart Bike unter Umständen mitbringt, könnte sich der Zielgruppenkreis nun extrem erweitern.

Das Fahrrad in Zahlen

Auf der anderen Seite stehen die Herausforderungen, die vornehmlich auf der Kostenseite zu finden sind. Denn dass ein Fahrrad mit vollständig digitalisiertem Funktionsumfang kein Schnäppchen sein wird, dürfte klar sein. Da ist es fraglich, ob das Connected Bike tatsächlich für die breite Masse oder zumindest vorerst nur für bestimmte Personengruppen geeignet sein wird.

Ferner dürfte es auch noch technische Hürden geben. Denn je mehr digitale Funktionsvielfalt vorhanden ist, desto mehr Strom wird auch benötigt. „Man braucht entweder ein E-Bike oder einen ausreichend starken Dynamo, um den Energiebedarf von Bluetooth, GPS etc. zu decken“, meint auch Dave Shoemack, Marketingdirektor bei Vanmoof.

Problematisch könnten auch die Witterungsbedingungen werden. Denn während digitale Geräte im Automobil in der Regel vor Regen, Kälte und Schnee geschützt sind, wird dies beim Fahrrad deutlich schwieriger sein.

Es bleibt also abzuwarten, welche Lösungen die Fahrradunternehmen finden werden. Wer etwas mehr über die technischen Aspekte wissen möchte, den empfehle ich, fahrrad-rat.de/digitale-fahrradtechnik zu besuchen.

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